Spanien Gran Canaria Klettern Blick auf Sorrueda hochkant
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Klettern auf Gran Canaria – Felsen, Frösche und Meer

Nach 15 Jahren kehrten wir zum Klettern nach Gran Canaria zurück. Und wir wurden nicht enttäuscht. Grandiose Felsen in wundersamen Schluchten mit abwechslungsreichen Routen erwarteten uns. Eine Einladung, der wir gerne folgten.

Gran Canaria ist klettertechnisch die kleine Schwester von Teneriffa. Sie will es der Großen nachmachen und heute erinnert die Kletterei an die vor 15 Jahren auf Teneriffa.

Nach unserer Kletterreise 2011 hatte uns die Hakensituation davon abgehalten, das Klettervergnügen zu wiederholen. Dabei geht es nicht um die Anzahl – als Ith-Kletterin bin ich wahrlich nicht verwöhnt –, sondern um den Zustand: Blätterteig kam mir häufiger in den Sinn. Gerade in den Sektoren, die in Blickweite zum Atlantik liegen.

In den letzten Jahren hörten wir immer mal wieder von spanischen Kletterern, die wir auf Teneriffa trafen, dass auf Gran Canaria viele Sektoren saniert worden seien. Nachdem Freunde von uns im letzten Jahr begeistert von der Insel zurückgekehrt waren, war das für uns der Startschuss. Wir geben dem Klettern auf Gran Canaria eine zweite Chance.

Andreas hatte es geschafft, einen der seltenen, aktuellen Kletterführer zu bekommen, und lieh ihn uns.

Klettern auf Gran Canaria – die Rahmenbedingungen

Die Hauptgründe, im Winter auf den Kanaren zu klettern, sind: die grandiose Kombination aus Klettern, meist gutem Wetter, leckerem Essen und Baden.

Klettern auf Gran Canaria hat den Charme des Kletterns auf Teneriffa vor 15 Jahren – und das bedeutet:

  • Klettern ist noch kein Massenphänomen
  • Man findet auch später am Tag noch einen Parkplatz
  • Die Anzahl der leichten Routen ist überschaubar.
  • Der aktuellste Kletterführer ist von 2015 und bereits vergriffen

Mittlerweile hat sich auf Teneriffa ein echter Klettertourismus etabliert. Es gibt Kletterläden, Kletterhostels und Kletterschulen. All das fehlt auf Gran Canaria noch. Oder ich habe es zumindest nicht gefunden. Mehr zum Klettern auf Teneriffa findest du hier.

Spanien Gran Canaria Klettern Blick auf Teneriffa

Häufig waren wir allein oder nur mit einer anderen Seilschaft am Felsen. Nur am Wochenende wurde es voller und wir haben viele lokale Kletterer an den Felsen getroffen. Und selbst dann war die Situation immer noch entspannt.

Auch an den Wochenenden war parken kein Problem. Wir mussten nie wegen der Parksituation umdrehen und uns ein alternatives Ziel suchen.

Auf Gran Canaria sind die Wege zum Kletterglück weit. Die Kletterziele sind über die ganze Insel verstreut. Gerade die Gebiete im Süden, sind oft nur über kilometerlange enge und kurvenreiche Straßen zu erreichen.

Diese Straßen muss man sich mit Quadfahrern, Touristen mit Mietwagen, deren Fahrer scheinbar jeden Strauch am Straßenrand intensiv begutachten, Rennradfahrern – sowohl einzeln als auch in Gruppen – sowie Linienbussen und einheimischen Autofahrern teilen. Es kann dauern. Man verbringt viel Zeit im Auto.

Leichte Routen bis 6a+ sind zwar in der Unterzahl, aber in ausreichend vorhanden. Die Anreise lohnt sich auf jeden Fall, denn das Routenangebot reicht entspannt für einen zweiwöchigen Urlaub aus. Wir sind über die ganze Zeit nur eine oder zwei Routen doppelt geklettert.

Eine Herausforderung ist der Kletterführer: Der aktuellste Gran-Canaria-Kletterführer (derzeit vergriffen) ist von 2015, wir hatten ihn dank Andreas trotzdem im Gepäck.

Spanien Gran Canaria Klettern Ausblick auf Sorrueda

Kletterführer

Der aktuelleste Kletterführer ist der:

  • Guía de Escalada Deportiva en Gran Canaria (2015)

Zwar quält man sich bis Seite 80 vor allem durch Werbung, dann besticht der Reiseführer jedoch mit guten Zustiegsbeschreibungen, die durch Fotos und Geolokalisation ergänzt werden. Verloren geht man mit dem Kletterführer nicht.

Da wir ihn unser Eigen nennen, wanderte auch das Vorgängermodell ins Gepäck. Dieser muss von vor 2011 sein und besticht durch sein schlankes Packmaß.

Natürlich gibt es Online-Quellen wie The Craig, aber leider sind nicht alle dort angegebenen Informationen aktuell. Das betrifft insbesondere die Sanierungssituation. Natürlich muss man sich immer ein eigenes Bild machen. Quintanilla hat, wie angekündigt, „some rebolting” gesehen. In Bañaderos hingegen konnten wir die sanierten Routen leider nicht entdecken.

Unabhängig davon ist es ohnehin charmanter, mit einem Buch am Felsen zu stehen als mit dem Smartphone. Man kann sich an die Felsen träumen, die Routen schon einmal mit den Fingern auf dem Topo klettern und die Felsauswahl ist damit deutlich entspannter und einfacher.

Laut Kletterführer reicht für die meisten Gebiete ein 60 Meter langes Seil. Wir hatten ein 70 Meter langes Seil dabei und hatten (was nicht überraschend ist) nirgends Probleme. Die Absicherung ist gut, sodass man für die langen Routen ordentlich Exen mitnehmen sollte.

Klettern auf Gran Canaria – die Gebiete

Die Klettergebiete auf Gran Canaria verteilen sich über die gesamte Insel. Vor allem im Norden und im Süden gibt es eine gewisse Ballung. Auf der Übersichtskarte im Kletterführer sehen sie im Süden dichter beieinanderliegend aus, als es vor Ort der Fall ist.

Wir waren jeweils mehrmals zum Klettern in:

  • Sorrueda (Süden)
  • Fataga (Süden)
  • Quintanilla (Süden)

und sind dort fast keine Route zwei Mal geklettert. Jedes Gebiet hat Kletterei für mehrere Tage im Angebot.

Leider waren wir nicht im größten Klettergebiet Gran Canarias: Tamadaba.

Es soll nicht nur das größte, sondern auch das beste und schönste Klettergebiet sein. Die Landschaft wird als grandios beschrieben. Tamadaba liegt im Inselinneren und ist, egal von wo man kommt, nur nach einer langen Anreise zu erreichen. In der ersten Woche hatten wir deswegen keine Muße, dorthin zu fahren. Als wir uns nach einigen Tagen dann doch durchgerungen hatten, spielte das Wetter leider nicht mehr mit.

Das ist ein echter Grund, noch einmal zum Klettern nach Gran Canaria zu reisen.

Klettern auf Gran Canaria – Sorrueda

Sorrueda liegt im Süden Gran Canarias und ist über eine kurvenreiche Straße erreichbar, die von der Autobahn abzweigt und ins Hinterland führt.

Spanien Gran Canaria Klettern Sorrueda mit Maike
Spanien Gran Canaria Klettern Sorrueda Achim sucht Routen

Die Anreise nach Sorrueda zieht sich. Als Beifahrerin hatte ich genug Zeit, mich mit dem Topo vertraut zu machen. Ist man aber endlich angekommen, dann wird man von einer surrealen Welt begrüßt: Frösche, die um die Wette quaken, und eine lieblich-wildromantische Landschaft.

Vielleicht hatten wir einfach Glück. Es hatte wohl zuvor einige Tage geregnet, denn der Bach führte Wasser. Dank der fröhlich hüpfenden Frösche hatten wir immer Bewunderer unserer Kletterkunst.

In Sorrueda verteilen sich rund 150 Routen auf acht Sektoren, die teils ineinander übergehen. Dank der unterschiedlichen Ausrichtungen findet man immer etwas in der Sonne oder im Schatten, im Wind oder windgeschützt.

Spanien Gran Canaria Klettern Sorrueda Parkplatz

Die Klassiker weisen eine gewisse Patina auf, aber die Auswahl – auch bis 6a+ – ist groß, so dass der Kletterspaß darunter nicht leidet. Klettern auf Gran Canaria ist in Sorrueda ein echter Genuss!

Einzig der angegebene Parkplatz stellte eine gewisse Herausforderung dar, als wir dort waren. Der Regen hatte nicht nur Wasser in den Bach gespült und die Frösche angelockt. Auch der Übergang von Asphalt zu Feldweg hatte unter den Wassermassen gelitten. Beim ersten Mal sind wir darüber gefahren und mit etwas Schwung klappte auch der Rückweg. Da es allerdings nur wenige Meter die Straße hinauf mehrere „Parkbuchten” gibt, haben wir bei den späteren Besuchen diese genutzt.

Klettern auf Gran Canaria – Fataga

Auch Fataga liegt im Süden Gran Canarias und ist über eine kurvenreiche Straße erreichbar, die sich nördlich von Maspalomas ins Hinterland schlängelt.

In Fataga verteilen sich rund 115 Kletterrouten auf sechs ineinander übergehende Sektoren. Routen bis 6a+ finden sich hauptsächlich am rechten und am linken Rand des Felsriegels, aber auch immer wieder dazwischen.

Fatagas Wahrzeichen ist der allgegenwärtige Staudamm. Dieser ist zwar immer gut zu sehen, aber keine Augenweide. Die Routen sind wie auf einer Perlenkette aufgefädelt, eine neben der anderen. Zu ihren Füßen liegt eine Art trocken gelegter Kanal (auf Madeira sagt man Levada dazu). Darin befinden sich zwei Rohre. Immer wieder muss man durch diesen Kanal, um zwischen Routen und Sektoren zu wechseln. Das ist aber unproblematisch.

Früher, also auf jeden Fall noch vor 15 Jahren, parkte man auf der „Hauptstraße” gegenüber dem Felsen und ging über den Staudamm auf die andere Seite. Von dort aus stieg man über eine Treppe zu den Felsen hinab. Dieser Zustieg ist mittlerweile gesperrt.

Spanien Gran Canaria Klettern Blick auf Fataga

Von Süden kommend biegt man jetzt beim Kilometerstein 36 nach links ab und folgt dem Weg bis ans andere Ende der Schlucht von Fataga. Die Straße lädt zum Langsamfahren ein und belohnt am Ende mit ausreichend Parkplätzen und einem kurzen Zustieg.

Je nach Tageszeit klettert man mehr in der Sonne oder im Schatten. Wir haben auch einen sehr windigen Tag erwischt, hatten aber trotzdem Spaß.

Beim Ambiente kann Fataga beim Klettern auf Gran Canaria zwar nicht mit Sorrueda mithalten, die Kletterei ist aber ebenfalls abwechslungsreich und lohnend. Und statt Fröschen trifft man immer wieder auf Radfahrer und andere Menschen, die von der gegenüberliegenden Seite aus der Ferne dem Kletterschauspiel beiwohnen.

Klettern auf Gran Canaria – Quintanilla

Auch im Norden Gran Canarias, beispielsweise in Quintanilla, kann man klettern. Zwar gibt es „nur” 21 Routen, davon sind aber viele mit einem gemäßigten Schwierigkeitsgrad bewertet.

Die Zufahrt ist easy und man könnte fast aus dem Auto sichern. Wer etwas im Auto vergessen hat, ist schnell hin und wieder zurück. Durch die Nähe zur vierspurigen Straße wird die Idylle etwas getrübt, was aber durch den Meerblick und die schönen Routen mehr als wettgemacht wird.

Spanien Gran Canaria Klettern Quintanilla Achim
Spanien Gran Canaria Klettern Quintanilla Maike Vorstieg

Vor 15 Jahren wurden wir noch von Blätterteig-Haken begrüßt. Ein herzliches Dankeschön gehört dem Sanierer oder den Sanierern – jetzt macht das Klettern hier wirklich Spaß.

Die Routen sind abwechslungsreich und gut gesichert. Alle Routen liegen dicht beeinander.

Spanien Gran Canaria Klettern Quintanilla

Fazit – Klettern auf Gran Canaria

Das geruhsame Klettern spricht mich schon sehr an. Gerade das Klettern in Sorrueda ist ein Fest.

Die langen Anfahrten zu den verstreut gelegenen Klettergebieten sind hingegen eher störend. Außerdem haben wir noch nicht den idealen Standort für unseren Aufenthalt gefunden. Wer einen gefunden hat, darf uns diesen gerne zusenden.

Da uns das Klettern in Tamadaba noch fehlt, werden wir auf jeden Fall wiederkommen.

Das Kletterangebot reicht auf jeden Fall für zwei Wochen Kletterurlaub, vermutlich sogar für viel länger.

Es ist auf jeden Fall für alle geeignet, denen es mittlerweile auf Teneriffa zu voll geworden ist.

Hardfacts für eilige Lesende

Kletterführer: Guía de Escalada Deportiva en Gran Canaria (2015) – ergänzt durch Online-Infos

Kletterangebot: Lohnenswertes Angebot an Sportkletterrouten bis 6a+ – ideal für Herbst, Winter und Frühling. Parkplätze vorhanden und meist kurze Zustiege.

Absicherung: Alles in allem können Klemmkeile und Friends getrost zu Hause bleiben.

Infrastruktur: Gran Canaria ist touristisch erschlossen.

Spanien Gran Canaria Klettern Kaffee und Kuchen maike
Spanien Gran Canaria Klettern Kaffee und Kuchen Achim

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