You are currently viewing Klettern – Spielarten

Klettern – Spielarten

Am Anfang meines Kletterlebens bin ich jede Route Toprope geklettert. Es hing also bereits ein Seil darin. Hochkommen war das Ziel, alles andere war nebensächlich. Doch irgendwann interessierte es mich, das Klettern mit seinen Spielarten.

Durch Gespräche mit anderen, erfahreneren Kletterern, wurde mir klar, die Bandbreite ist größer und irgendwann wurde es mir wichtig, zu wissen, was all die unterschiedlichen Kletterbegriffe bedeuten, wovon wir hier eigentlich sprechen. Und mein Ehrgeiz erwachte, bestimmte Routen mittels ausgewählter Begehungsstile zu klettern.

All meine Ausführungen sind – und darauf lege ich viel Wert – KEINE Kletter-Anleitung, doch ich bemühe mich, alles so zu beschreiben, das auch Nicht-Kletterer und Kletter-Neulinge im Anschluss über einen Überblick verfügen.

Inhaltsverzeichnis

Einführung in die Spielarten des Kletterns

Beim Klettern gibt es im Groben immer zwei Varianten zur Auswahl. Als erstes muss in Klettern mit und ohne Seil unterschieden werden.

Letzteres ist das Bouldern, eine Kletter-Spielart, die  aus den verschiedensten Gründen nicht die meine ist. Also werdet ihr hier nichts weiter darüber erfahren. Wer mehr wissen will, kann einfach in eine Boulderhalle gehen und sich umschauen. Es ist nicht schwer zu verstehen, was dort gemacht wird, aber es ist schwer einzusehen, warum man das machen sollte.

Klettern mit Seil, was mein Begehr ist, lässt sich unterteilen in  Sport- und Mehrseillängenklettern. Bei beiden Spielformen existieren wiederum zwei Varianten des Kletter- beziehungsweise Sicherungsstils:

Beim Sportklettern wird zwischen Vorstieg, das Seil hängt noch nicht, und Toprope, das Seil hängt bereits am höchsten Punkt der Route, unterschieden.

Ähnlich ist es beim Mehrseillängenklettern, doch hier wird, was irgendwie logisch klingt, der Vorstieg durch den Nachstieg, hier hängt das Seil ebenfalls, aber die Position des Sichernden ist eine andere, ergänzt.

Diese Kletter-Spielarten stelle ich euch nun genauer vor, doch gemach, vorab noch ein paar Rahmenbedingungen.

Free Climbing oder Freiklettern

In Gesprächen über das Klettern mit Menschen, die nicht klettern, kommt regelmäßig die Frage, „bist du als free climber unterwegs?“

„Klar“, antworte ich dann selbstbewusst. Ein Blick in die Augen meines Gegenübers zeigt eine Mischung aus Panik und Verwunderung. Ich ahne, was gedacht wird. Mein Gegenüber sieht mich vor seinem inneren Auge ungesichert in schwindelerregender Höhe in der Wand. Doch meist löse ich das Rätsel schnell auf, „free climbing oder freies Klettern meint, ich bewege mich an der Wandstruktur nur mit meinen Händen und Füßen nach oben. Mein Sicherungspartner sichert mich dabei mit einem Seil. Der Gegensatz zum freien Klettern ist das technische Klettern, bei dem beispielsweise Trittleitern als technische Hilfsmittel zugelassen sind, um nach oben zu kommen. Free oder frei meint das Verzichten auf solche technische Hilfsmittel.“

Technisches Klettern waren die Anfänge des Kletterns, eine ganz besondere Spielart. Doch mittlerweile ist das freie Klettern das, was gemeinhin unter Klettern verstanden wird. Besonders vom Sportklettern ist es nicht wegzudenken.

Gemeinsam klettern bedeutet, sich gegenseitig sichern

Ein großer Vorteil des Kletterns liegt in der partnerschaftlichen Vereinbarkeit. Menschen, die sich nicht auf dem gleichen Leistungs- und Ehrgeizniveau bewegen, können gemeinsam aktiv werden. Mir fällt spontan keine weitere Sportart ein, die das von sich behaupten kann.

Jeder Seilpartner kann mit persönlichem Ehrgeiz in seinem individuellen Schwierigkeitsgrad klettern, denn wichtig ist vor allem die Fähigkeit, sich gegenseitig zu sichern. Voraussetzung für das gemeinsame Klettern ist vielmehr eine einheitliche Gewichtsklasse. Gemeinhin wird hier von +/- 20 Kilogramm gesprochen, dann sollte das gegenseitiges Sichern möglich sein. Also Augen auf bei der Partnerwahl.

Wichtig ist, das sollte noch erwähnt werden, für uns Kletterer ist das Klettern eher Lebensart als Sport.

Spielart - Sportklettern

Sportklettern ist die Spielart, die am meisten verbreitet ist. Ziel ist es, einen definierten höchsten Punkt einer Route, den Umlenker (manchmal auch den Ausstieg), durch freies Klettern zu erreichen. Sportklettern ist sowohl in der Halle als auch am Fels – im Klettergarten – möglich. Die Kletterhöhe ist durch die Seillänge begrenzt. Eine Route kann nicht höher sein als die halbe Seillänge, denn das Seil wird am höchsten Punkt umgelenkt – vermutlich kommt daher der Name Umlenker – und das Seil verbindet den Sichernden mit dem Kletterer, bis dieser wieder festen Boden unter den Füßen hat.

Im Klettergarten sind die Routen selten länger als 35 Meter, d. h. es reicht ein 70 Meter langes Seil. In den meisten Hallen ist ein 40-Meter-Seil ausreichend.

Schwierigkeitsgrade beim Klettern

Neben dem plumpen hochkommen einer Tour stehen Eleganz in der Bewegung und die Steigerung der persönlichen Schwierigkeitsgrenze im Fokus. Bei Sportkletterrouten werden Schwierigkeitsgrade angegeben, die die schwerste Einzelstelle bewerten.

Durchgesetzt haben sich hier die UIAA-Skala von 1 bis 12 (manchmal in römischen Ziffern von I bis XII angegeben), entweder als glatter Grad oder mit einem + oder – ergänzt, sowie die französische Skala von 1 bis 9, hier gibt es in den schwierigeren Graden die Ergänzungen a, a+, b, b+, c und ganz unerwartet: c+.

In Sachsen gibt es auch eine eigene Skala, in den USA ebenfalls und natürlich sind Engländer, Australier und Südafrikaner auch nicht mit einer Skala zufrieden die einfach zu verstehen und an vielen Stellen der Welt verbreitet ist. Zum Glück gibt es Umrechnungstabellen und die Schwierigkeit einer Route ist zudem etwas sehr Subjektives, ist also mehr als grober Hinweis denn als Gesetzmäßigkeit zu verstehen.

"Mama, wie bekommen die das Seil nach oben?"

Ich erlebe mich dabei, wie ich in den Aufklärungsmodus gerate, wenn das Gespräch auf das Klettern und seine Spielarten kommt. Neulich berichtete eine Bekannte vom Sonntagsausflug mit ihrer achtjährigen Tochter. Sie wanderten im Ith, so erzählte sie, und sahen plötzlich Kletterer am Felsen. Die Tochter war fasziniert und schaute sich das interessiert an.

Ich glaube, mittlerweile verfügt jede Schulsporthalle über einen Kletterbereich und Kinder haben eine grundsätzliche Idee, worum es beim Klettern geht.

Die beiden schauten den Kletterern zu, so berichtete meine Kollegin, bis sich die Tochter zu ihrer Mutter umdrehte und fragte, „Mama, wie bekommen die das Seil nach oben?“

Eine interessante und vor allem intelligente Frage fand die Frau Mama, „ich habe keine Idee, aber ich kenne jemanden, den ich fragen kann.“

Das tat sie dann bei unserem nächsten Treffen.

„Schlaue Frage von deiner Tochter“, setzte ich an, „die Seile wachsen tatsächlich nicht vom Fels herab, die müssen hoch gebracht werden.“

Ich sammelte meine ersten Klettererfahrungen in einer winzigen Toprope-Halle und kann die Frage der Tochter gut verstehen. Es war für mich selbstverständlich, dass das Seil schon in der Route hing und ich es zum Klettern nutzen konnte.

Doch wie ist das Seil dorthin gekommen? Grundsätzlich unterscheiden sich zwei Kletter- bzw. Sicherungsstile beim Sportklettern – Toprope und Vorstieg.

Toprope-Klettern

… ist ein Kletter- bzw. Sicherungsstil, bei dem Kletterer und Sichernder mittels Seil verbunden sind. Hier läuft das Seil bereits durch den Umlenker, also dem höchsten Punkt einer Kletterroute.

Der Kletterer bindet sich auf der einen Seite in seinem Gurt ein und der Sichernde legt das andere Ende des Seils in sein Sicherungsgerät, das an seinem Gurt befestigt ist. Im gleichen Maße wie der Kletterer sich nach oben in Richtung Umlenker bewegt, zieht der Sichernde Seil ein, so dass im Falle eines Sturzes dieser nicht allzu weit ist. Physikalisch ist es beim Toprope-Klettern möglich, „ganz zu“ (ein Ausruf, der häufig mit ein bisschen Panik in der Stimme in der Halle und am Fels zu hören ist) zu machen. Der Sichernde zieht so viel Seil ein, dass der Kletternde Hände und Füße von der Wand nehmen kann, ohne bzw. ohne kaum seine Position zu verändern.

Das Toprope-Klettern ist gemeinhin der Einstieg in die Kletterkarriere. Mittlerweile findet die Kletter-Initiation normalerweise in der Halle statt. Hier hängen Toprope-Seile und die Frage, wie das Seil in den Umlenker gekommen ist, stellt sich in der Regel nicht.

Früher, sagen wir vor 25 oder mehr Jahren, haben Kletterer ihre ersten Erfahrungen – auch mangels Vorhandensein von Kletterhalten – am Fels gesammelt. Die Hallen wurden ursprünglich gebaut, um für den echten Fels zu trainieren. Dass sich eine eigenständige Disziplin entwickeln würde, also dass Kletterer gar nicht die Motivation entwickeln, am Fels zu klettern, damit hat zu Beginn bestimmt niemand gerechnet.

Klettern im Vorstieg

Der Name lässt es bereits erahnen, wir befinden uns in der Welt der Seil einhängenden Kletterer. Kletterer, die vorsteigen, bringen das Seil zum Umlenker.

Vorstieg wird gemeinhin als die Königsdisziplin des Sportkletterns bezeichnet, doch sollte sich deswegen niemand in Stress versetzen.

Der Kletterer bindet sich mit dem Seil in seinem Klettergurt ein und beim Klettern hängt er es in Zwischensicherungen und am höchsten Punkt in den Umlenker ein. Am anderen Ende des Seils steht der Sichernde. Dieser hat das Seil in einem Sicherungsgerät, das mit seinem Klettergurt verbunden ist und verfolgt aufmerksam den Kletterer an der Wand. Seine Aufgabe ist es, sowohl mit zunehmendem Höhengewinn des Kletterers Seil auszugeben, als auch bei einem Sturz das Seil schnell und sanft zu blockieren.

Sturzfrei hochkommen ist fein, doch lässt sich das Stürzen nicht vermeiden, gilt es, den schmerzhaften und gefährlichen Bodensturz zu verhindern.

Da der Kletterer, um zur nächsten Zwischensicherung zu gelangen, zwangsläufig die letzte Zwischensicherung überklettern muss, kann er im besten Fall nur die doppelte Strecke zur letzten Zwischensicherung fallen. Ist das mehr als der Abstand zum Boden, kommt es zu einem Bodensturz.

Je höher die letzte eingehängte Zwischensicherung, desto geringer das Risiko des Bodensturzes. Ab einem Punkt x sollte bei besonnener Sicherung ein Bodensturz unmöglich sein und das ist selbstredend gewünscht.

Zwischensicherungen beim Klettern

Die Zwischensicherungen können entweder fix in der Wand verbaut sein, das ist in der Kletterhalle der Normalfall oder der Kletterer legt sie während des Kletterns selber. In letzterem Fall, typischerweise in der Natur, versucht der Kletterer mittels mobiler Sicherungsmittel wie Keilen, Bandschlingen und Friends nach Möglichkeit haltbare Zwischensicherungen zu legen.

Manche Felswände bieten eine Kombination aus beiden, einige fixe Haken sind zu finden, doch sollte die Sicherung mobil ergänzt werden. Wenn von sportklettermäßiger Absicherung gesprochen wird, dann ist gemeint, dass keine zusätzlichen mobilen Sicherungsmittel gelegt werden müssen.

Hängt das Seil im Umlenker, können sich andere Kletterer an der Möglichkeit des Toprope-Kletterns erfreuen.

Bevor der Toprope-Kletterer allerdings loslegen kann, muss der Kletterer zum Boden zurückkehren. Grundsätzlich gibt es, wie so oft beim Klettern, zwei Varianten, um zurück zum Boden zu kommen – das Ablassen und das Abseilen.

Zurück zum Einstieg

Der Sichernde kann den Kletterer ablassen, indem er langsam Seil mittels seines Sicherungsgerätes ausgibt bis der Kletterer auf dem Boden steht.

Alternativ kann sich der Kletterer abseilen. Hierfür muss er sich zuerst am Umlenker fixieren, das Seil aus seinen Klettergurt ausbinden, dieses dann soweit durch den Abseilpunkt am Umlenker ziehen bis beide Enden auf den Boden reichen. Mit Hilfe eines Abseilgeräts seilt er sich zum Boden ab.

Beide Methoden sind bei allen Spielarten des Kletterns möglich, doch sind sie nicht immer gleich sinnvoll.

Zu guter Letzt: Der Sichernde hat das Leben oder doch zumindest die Unversehrtheit des Kletterers in seiner Hand, was ein großes Vertrauen zwischen den Seilpartnern erfordert.

Begehungsstile beim Klettern

Nach dem Hochkommen einer Route folgt die Frage nach dem Begehungsstil, denn nein, es reicht nicht aus, einfach nur zu klettern. Es ist alles eine Frage des Stils.

Wichtigster Begriff ist hierbei der Rotpunkt und eigentlich ist er auch die Grundlage für alles, was im Bereich der Begehungsstile folgt. Grundsätzlich betrifft das immer Kletterrouten, die im Vorstieg begangen wurden.

Rotpunkt beim Klettern

Die Rotpunktbegehung bezeichnet den Durchstieg einer Route ohne Pause an einer Zwischensicherung und ohne zu stürzen. Bei einem Sturz muss erneut am Einstieg gestartet werden. In Mehrseillängenrouten wird von einer Rotpunktbegehung gesprochen, wenn alle Seillängen in dieser Form geklettert wurden.

Manchmal sind rote Punkte am Einstieg von Kletterrouten zu finden. Dies ist besonders in Franken der Fall und wer sich mehr dafür interessiert, der gebe bitte Kurt Albert und Rotpunktbegehung in seine Internetsuchmaschine ein.

Hörst du einen Kletterer sagen, er habe eine Route gepunktet ist genau das gemeint. Er ist beim Klettern weder gestürzt noch hat er eine Seilpause eingelegt.

Onsight

Eine Rotpunktbegehung einer unbekannten Route im ersten Versuch wird als Onsight bezeichnet. Unbekannt meint, die Route noch nie geklettert zu sein, nicht mit anderen über die Züge gesprochen und auch noch niemanden in der Route klettern gesehen zu haben.

Flash

Bei einem Flash hingegen gelingt die Rotpunktbegehung ebenfalls im ersten Versuch, doch hat der Kletterer bereits andere in der Route gesehen oder sich vorab über die Schlüsselstellen und deren mögliche Lösung informiert.

Auch wenn die Begrifflichkeiten aus dem Vorstiegsklettern kommen, am Fels nutzen durchaus auch Toprope-Kletterer diese Begriffe, um ihre Klettererfolge zu beschreiben. Darüber hinaus finden sich noch mehr beziehungsweise feinere Nuancen, aber an dieser Stelle soll es erst einmal reichen.

Der Begehungsstil wird vor allem beim Sportklettern ergänzend angefügt, wenn von einer Route berichtet wird. Doch draußen am Fels existiert neben dem Sportklettern eine weitere Kletter-Spielart, das Mehrseillängenklettern.

Spielart - Mehrseillängenklettern

Beim Mehrseillängenklettern ist die Kletterhöhe nicht durch die Länge des Seils begrenzt, denn bei dieser Spielart werden mehrere Routen übereinander kombiniert und damit begrenzt die Länge des Seils nur die Länge einer einzelnen Route.  Interessanterweise werden diese zu kombinierenden einzelnen Routen Seillängen genannt und die Kombination aller ergibt die Mehrseillängen-Route. Das Erreichen eines Gipfels ist beim Mehrseillängenklettern oft ein erklärtes Ziel.

Zwei Kletterer bilden eine Seilschaft und jede Seillänge muss von einem aus der Seilschaft im Vorstieg geklettert werden. Am Ende einer Seillänge wartet nicht ein Umlenker, sondern ein Standplatz.

Hier sichert sich der Kletterer zuerst gegen das Herunterfallen, indem er sich am Sicherungspunkt des Standplatzes fixiert. Anschließend sichert er seinen Nachsteiger von oben „nach“. Der Sichernde wird nun zum Kletterer.

Nachstieg

Das Nachsteigen ist dem Toprope-Klettern ähnlich, es gibt jedoch zwei elementare Unterschiede. Erstens muss der Nachsteiger in der Mehrseillängenroute die Zwischensicherungen aushängen und das Sicherungsmaterial mitnehmen und zweitens ist es für den Sichernden am Standplatz nur unter besonderer technischer Finesse möglich „ganz zu“ zu machen, d. h. beim Stürzen hat der Kletterer eine gewisse Fallhöhe bevor das Seil greift. Schwere Kletterstellen können somit, anders als beim Toprope-Klettern, nicht durch Zug von oben merklich unterstützt werden.

Vom Standplatz aus steigt ein Kletterer in die nächste Seillänge ein. Der andere sichert aus dem Standplatz heraus. Wechseln sich die beiden mit dem Vorstieg ab, wird in Wechselführung geklettert. Es ist möglich, dass immer der gleiche Kletterer vorsteigt – genauso, wie es denkbar ist, dass einer nur an Freitagen vorsteigt und der andere den Rest der Woche.

Mehrseillängen haben mindestens zwei Seillängen. Die Routenlänge oder auch die Wetterlage können eine freiwillige oder auch unfreiwillige Übernachtung in der Wand erfordern – das Biwak in der Wand. Das sollte erfahrenen Kletterern vorbehalten bleiben.

Oben angekommen wird nach einem individuellen Gipfelritual das durchaus auch an Voodoo erinnern kann entweder in mehreren Etappen abgeseilt (hier bietet sich das Ablassen eher nicht an) oder die Kletterschuhe werden gegen etwas Bequemes getauscht und es geht wandernd einen mehr oder weniger steilen und mehr oder weniger gut zu findenden Weg hinab.

Mehrseillängenklettern ist gleichzeitig Oberbegriff als auch konkrete Beschreibung. Die Spielarten davon sind das Alpin-Klettern, das Plaisir-Klettern sowie die „klassische“ Mehrseillänge irgendwo zwischen diesen beiden.

Alpin-Klettern

Unter Alpin-Klettern werden Mehrseillängentouren im alpinen Gelände verstanden. Hier sind die einzelnen Routen oft stark ausgesetzt, was ordentlich Luft unterm Hintern bedeutet. Bohrhaken sind die Ausnahme und das Legen mobiler Sicherungsmittel ist obligatorisch. Häufig erfordern die Standplätze Bastelkünste der gehobenen Art. Der Gurt ist schwer behängt, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Im Rucksack befinden sich ein Biwaksack (für das Notbiwak) zu Essen, zu Trinken und allerlei anderes was Kletterer eigentlich nicht benutzen möchte.

Bei der Routenfindung helfen dem Kletterer Topos, das sind skizzenhafte Zeichnungen oder Fotos mit eingezeichneten Linien mit dem Routenverlauf. Bei oft wiederholten Routen besteht die Chance, Benutzungsspuren vorangegangener Seilschaften zu folgen und dabei zu hoffen, dass sich die Kletterer vorher nicht verklettert haben.

Das Alpin-Klettern unterscheidet sich deutlich vom Plaisir-Klettern.

Plaisir-Klettern

Unter Plaisir-Klettern wird Mehrseillängenklettern mit fast sportklettermäßigen Hakenabständen verstanden. Alle drei bis fünf Meter blitzt ein Haken als Sicherungspunkt und an der Schlüsselstelle ist der Abstand gerne geringer. Die Standplätze sind üblicherweise vorbildlich mit zwei (bereits verbundenen) Fixpunkten versehen und der Kletterer kann sich eigentlich nicht verlaufen, sorry verklettern, denn es geht immer der Hakenkette nach.

"Klassisches" Mehrseillängenklettern

Unter Plaisir-Klettern wird Mehrseillängenklettern mit fast sportklettermäßigen Hakenabständen verstanden. Alle drei bis fünf Meter blitzt ein Haken als Sicherungspunkt und an der Schlüsselstelle ist der Abstand gerne geringer. Die Standplätze sind üblicherweise vorbildlich mit zwei (bereits verbundenen) Fixpunkten versehen und der Kletterer kann sich eigentlich nicht verlaufen, sorry verklettern, denn es geht immer der Hakenkette nach.

Klettern am Fels - Absicherungssituation

Grundsätzlich sind die Informationen in der aktuellen Kletterführerliteratur verlässlich, trotzdem kommt es vor, dass Kletterer eine andere Situation vorfinden. Das hat einerseits mit der unterschiedlichen Einschätzung der Sicherungssituation zu tun – was genau ist „fast schon plaisirmäßig“? Selbst Achim und ich sind uns da nicht immer einig.

Andererseits kann die vorgefundene Situation ganz real von der beschriebenen abweichen. Ich habe erlebt, dass ein Standplatz nicht dort war, wo er sein sollte oder ganz fehlte. Auch abgesägte Haken mitten in der Route habe ich bereits vorgefunden. Dann muss mit dem vorhandenen, mitgeführten mobilen Sicherungsmaterial improvisiert werden.

Ist das alles?

Soweit der Überblick. Und doch – hier fehlt noch etwas, wird sich der eine oder andere aufmerksame Leser denken. Ich habe den Film „Free Solo“ mit Alex Honnold gesehen, der klettert ohne Seil.

Und das ist richtig. Ein beeindruckender Film und ein beeindruckender Kletterer, doch Alex Honnold ist kein Maßstab, der spielt in einer separaten Liga.

Free Solo-Kletterer sind allein und ohne Seil mit erhöhtem Risiko unterwegs.

Das Solo-Klettern ist ebenfalls eine Sonderform, die kein Massenphänomen ist. Hier wird am Seil geklettert, jedoch sichert sich der Kletterer selbst. Eine hervorragende Alternative für kontaktscheue Menschen, die außerdem etwas gegen das Herunterfallen haben.

Und natürlich darüber hinaus, wie könnte es auch anders sein, sind beim Klettern noch viel mehr Feinheiten zu beachten, doch als Rahmen soll es hier reichen. Der Rest wird nach und nach im Kletterleben gemeinsam mit dem Chalk in der Luft aufgesogen.

Schreibe einen Kommentar