Arco – die Anreise

Arco – die Anreise

In Arco sein, das weiß Kletterer aus eigener Erfahrung oder durch Geschichten anderer, ist eine fluffige Angelegenheit. Bei meinem ersten Arco-Besuch war das dasein auch nicht das Problem, jedoch war die Anreise ein kleines Abenteuer für sich. Was war geschehen?

Aber der Reihe nach. Wir schreiben das Jahr 2008 und die Geschichte beginnt an einem verlängerten Wochenende über den ersten Mai in Franken. Dort erlebten wir unsere Einführung in die hohe Kunst des Felskletterns.

Vier Tage lang schwärmte uns Trainer Daniel von Arco vor. Insbesondere betonte er die hervorragenden Einkaufsmöglichkeiten. Nicole und Stefan aus der Pfalz, unsere Mitkletterkursteilnehmer, kannten Arco bereits und ergänzten die Schwärmerei mit Erzählungen zur besten Pizza und tollen Ausblicken.

Achim und mir war klar: wir müssen da hin!

 „Ja, macht das“, sagte Stefan dann nach kurzem stutzen auf mein übermütiges, „wir kommen euch im Juni während eures Urlaubs in Arco besuchen.“Italien Arco UnterkunftEin passendes verlängertes Wochenende während ihres Aufenthalts war schnell gefunden. Ein Zimmer für uns in ihrer grandiosen Unterkunft in den Feldern zwischen Riva und Arco schnell gebucht und die Anreise geplant. Ich sollte mit einem Billigflieger mittwochs nach Bergamo fliegen und dort gegen Mitternacht landen. Trotz der späten Stunde planten die beiden, mich vom Flieger abzuholen. Achim hatte einen Arbeitstermin in Ljubljana und plante, dort in den Zug zu steigen und Donnerstag am Vormittag in Riva anzukommen.

Anreise nach Arco - ein guter Plan ...

Nicole und Stefan dachten sich, wenn sie mit anderen klettern gehen, sollten sie an ihrer Fitness arbeiten. Leider führte das bei Nicole statt zu gestiegener Fitness zu einem gebrochenen Handgelenk. Eine Mettallplatte war zwar schnell hineinoperiert, an klettern aber kurzfristig nicht zu denken. Und somit auch nicht an einen gemeinsamen Kletterurlaub in Arco. Für uns war klar, Gesundheit und Genesung gehen vor und so waren wir traurig, doch verständnisvoll.

Doch unser von allen Seiten gut ausgetüftelter Plan ließ die beiden irgendwie nicht los. Als sich herausstellte, dass am Donnerstag um 8 Uhr die Fäden gezogen werden sollten, war für sie alles klar. Sie steigen anschließend sofort ins Auto und fahren nach Arco …

Meine geplante mitternächtliche Abholung am Mittwochabend vom Flughafen fiel damit aus. Doch laut Internet könnte ich mit der Bahn von Bergamo nach Riva am Nordende des Gardasees fahren. Von dort aus fährt ein Bus in das circa fünf Kilometer nördlich gelegene Arco.

Natürlich erst am nächsten Morgen, es fehlte also nur noch ein bezahlbares Flughafenhotel. Das Hotel-Suchportal wies diverse Hotels, die sich Flughafenhotels nannten, aus und ich buchte ein günstiges. Bergamo-Flughafen, dachte ich, sicherlich stehen Taxen vor der Tür und die Taxifahrer werden mein Flughafenhotel kennen. Ich sollte schnell am Ziel sein.Italien Arco Aussicht 4Wer schon mal um Mitternacht in Bergamo gelandet ist, weiß es besser. Nein, es stehen keine Taxen vor der Tür. Dafür standen diverse kleinere Gruppen, meist mindestens drei Personen, am Taxenstand. Alle paar Minuten kam eines vorbei und schwuppdiwupp sind alle auf den armen (mit Dollarzeichen in den glänzenden Augen) Taxifahrer los. Als Einzelperson mit dem Bewegungsmanko Rucksack hatte ich das Nachsehen.

Irgendwann kam meine Stunde und ich nannte dem Fahrer mein Hotel. Er schaute mich an und erklärte mir, die Fahrt koste 20 Euro. Ich schaute mit großen Augen zurück und meinte, „es ist ein Flughafenhotel, das könnten doch maximal 5 Minuten Entfernung sein.“
„Nein, nein“, sagte er, „20 Minuten fahren wir sicherlich.“ Das muss das falsche Hotel sein, dachte ich, und in der Zwischenzeit kamen die nächsten Taxisuchenden und machten sich meine Unentschlossenheit zu Nutze.

Anreise nach Arco - es geht weiter

Ein Anruf im Hotel ergab „ja, wir sind ein Flughafenhotel, der Taxifahrer hätte allerdings recht, 20 Minuten würde die Fahrt dauern. Wir sind aber ein Flughafenhotel!“Italien Arco Aussicht 3

Im Nachhinein bin ich natürlich schlauer. Mich hätte es auf dem Karten-Programm meines Computers stutzig machen müssen, dass die Punkte, die nach eigenen Aussagen Flughafenhotels darstellten, alle weit entfernt vom Flughafen lagen. In dem Suchmoment war ich nur froh, etwas Bezahlbares mit dem Titel „Flughafenhotel“ gefunden zu haben. Ich redete mir ein, es wird etwas mit dem Maßstab zu tun haben. Auf der Homepage war ja klar und deutlich sichtbar, sie sind ein Flughafenhotel …

Eine Diskussion war zwecklos. Ich kehrte zurück in den „ich bin müde und will ins Hotel“-Kampfmodus und ergatterte das nächste Taxi. Es ging kreuz und quer durch das italienische Nirgendwo bis wir in einem Gewerbegebiet an jungen Frauen, die für die nächtlichen Temperaturen ungewöhnliche und meines Erachtens ungenügende Outfits trugen, vorbei und in meinem Hotel ankamen. An der Rezeption stand der junge Mann mit dem ich telefoniert hatte.

Sichtlich peinlich berührt drückte er mir nur noch den Zimmerschlüssel in die Hand. Mit den Bildern von den leicht bekleideten Damen in der Nähe meines Hotels vor Augen hatte ich eine unruhige Nacht. Was passiert hier wohl im Nachbarzimmer war ein Gedanke, der mich beschäftigte. Am nächsten Morgen wurde ich mit einem der besten Hotelfrühstücke, die ich in Italien je hatte, besänftigt und machte mich mit dem Zug auf den Weg nach Riva.

Die Suche nach der Unterkunft

Durch die veränderte Anreise planten Achim und ich, uns in Riva am Bahnhof zu treffen. Gemeinsam sollte es mit dem Bus nach Arco gehen. Ich kam zuerst an und bekam gerade eine SMS von Achim, dass sich sein Zug verspäten würde als unser Bus in die Haltebucht vor mir einbog. Irgendwie schaffte ich es, ein Bein in die Bustür zu stellen und den Busfahrer zu überzeugen, auf den Zug zu warten. Keine zwei Minuten später kam Achim joggend um die Ecke und der Bus fuhr, als er den zweiten Fuß in der Tür hatte, los.Italien Arco Klettern Maike Brixendorf

Vor meiner Abreise hatte ich unsere Unterkunft per Mail angefragt, an welcher Bushaltestelle wir aussteigen müssten. Eine Antwort erreichte mich vor meine Abreise nicht. Ich erinnere, wir befinden uns im Jahr 2008 und seinerzeit waren wir noch nicht im heute allgegenwärtigen Smartphone-Zeitalter angekommen. Unterwegs meine Mails abfragen war keine Option.

Doch ich war entspannt, dachte ich mir in meiner Naivität des ersten Besuches, Arco sei beschaulich, sicherlich kennt jeder jeden. Flugs den Busfahrer gefragt, der mich bereits durch sein Warten auf Achim so wunderbar unterstützt hatte. Er kannte unsere Unterkunft nicht. Weder der Fahrkartenkontrolleur noch die einheimischen Mitreisenden konnten mit dem Namen oder der Adresse etwas anfangen.

Deutlich entspannter als bei meiner Ankunft in Bergamo, immerhin war ich nicht mehr allein unterwegs und es war nicht mitten in der Nacht, überlegte ich, wie wir sie finden könnten. Achim holte sein Blackberry heraus (irgendwie doch so etwas wie ein Smartphone, natürlich ein dienstliches) und versuchte die Adresse auf dem Karten-Programm zu finden. Im Bus hatte er kein Netz …

Ein guter Gedanke ...

Als mir wieder einfiel, dass Nicole erwähnt hatte, die Unterkunft läge auf halber Strecke zwischen Riva und Arco, drückte ich den Haltewunschknopf und eine Minute später standen wir am Wegesrand, zwischen Feldern und Achim fragte mich, „bist du dir sicher, dass das eine gute Idee war?“

Ich lächelte siegessicher. Die Technik tat wieder ihren Dienst und wir waren nur 250 Meter Fußweg durch die Felder von unserer Unterkunft entfernt. Die Anreise nach Arco war vollbracht – das eigentliche Abenteuer konnte beginnen.

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